Kommentar zur Wahl Boris Johnson

Klaus Geiger (Ressortleiter Außenpolitik bei der Welt) zu Boris Johnson

Boris Johnson zeigt, wie Volksparteien im 21. Jahrhundert siegen

Geiger schreibt: “Man mag Boris Johnson einen Schauspieler nennen, einen Opportunisten oder auch einen Populisten. Und trotzdem hat er die Wahl so klar gewonnen, weil die Menschen das Gefühl hatten, dass sie mit ihrer Stimme für Johnson wissen, was sie bekommen.”

Ich meine: Genau darum geht es beim Branding. Johnson hält sich an die Gesetze der Markenführung. (Offensichtlich nicht so sehr an die Gesetze seines Landes). So hat er eine emotionale Marke für viele Wählergruppen für sich aufgebaut (die wiederum viele Gesetze auch nicht so toll finden). Einen ähnlich bekannten und in der emotionalen Ansprache breit aufgestellten Politiker gibt es in Deutschland derzeit nicht. Ob dies wünschenswert ist, ist aber eine ganz andere Frage.

“Johnson ist der nächste einer Reihe schillernder, charismatischer Politiker, die den Propheten des Untergangs zeigen, dass die liberale Demokratie lebt, dass mutige Anführer den Feinden der Freiheit die Grenzen zeigen können.”

Na ja, da bin ich vorsichtiger. Unabhängig von der Weltanschauung, geht es heute um den Aufbau von Politiker-Marken und von Parteien als Marken. Wer diese Klaviatur beherrscht, herrscht auch in der Demokratie. Denn – neben den Online-Medien  – spielt für die politische Meinungsbildung Social Media eine immer größere Rolle. Und gerade hier geht es vorwiegend um emotionale Positionierung. Dies ist eine Disziplin, die keine deutsche Partei derzeit beherrscht. Im Falle der CDU hat das Rezo ziemlich brutal demonstriert.

Ulrich Baumert

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article204277966/Boris-Johnson-zeigt-wie-Volksparteien-im-21-Jahrhundert-siegen.html#Comments

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